Nofollow im SEO ist nicht gleich PageRank Sculpting

PageRank Sculpting und Link-Nofollow werden oft synonym verwendet. Im Grunde aber bezeichnet PageRank Sculpting die Steuerung der PageRank-Vererbung innerhalb der eigenen Website oder sogar der eigenen Websites.
Link-Nofollow ist eine konkrete Maßnahme gewesen, um die Ziele, die man für sein PageRank Sculpting definiert hat, zu erreichen.

PageRank Sculpting wurde schon betrieben, lange bevor es das Wort dafür gab und auch lange bevor es das von Google verordnete Link-Nofollow Tag gegeben hat.

Lustiger weise hat Google jetzt aber sein Verhalten hinsichtlich der Auswertung des Link-Nofollows erheblich geändert. Sehr gut nachzulesen bei Rand.

Um es auf den Punkt zu bringen:

Links die per Link-Nofollow für Google entwertet werden, stärken nicht mehr die anderen Links die sich auf der Seite befinden.

Somit kann man zwar weiterhin verhindern, dass man Seiten mit einem PageRank versieht, die man nicht gerankt haben will, leider ranken deswegen aber die anderen Seiten nicht mehr besser. Und Gerald sieht hier sogar ein nicht unerhebliches Risiko (Wobei hier auch wieder PageRank Sculpting mit Link-Nofollow gleichgesetzt wird).

Nun trifft dieses Thema nur diejenigen, die sich aktiv mit dem Thema beschäftigen und es auch erfolgreich umgesetzt haben. Und da es um die bewusste Steuerung der PageRank-Vererbung geht, muss man davon erst mal etwas zum verteilen haben. Oder um es einfach zu sagen:

  1. Wer nicht mindestens einen PR4 hat sollte sich mit dem Thema nicht beschäftigen
  2. Wer einen PR zwischen 4 – 6 hat sollte alle anderen SEO-Themen mehr Aufmerksamkeit schenken
  3. Wer PR7 und mehr hat sollte sich damit beschäftigen.

Und man muss auch genug Seiten haben. Für die meisten Blogs ist hier nicht viel zu holen. Vor allem da die interne Struktur von Blogs recht gut ist und man hier besser sinnvoll und konsistent tagged um überhaupt dauerhaft gültige Seiten zu besitzen.

Wer sich die Kriterien ansieht wird sehen, dass es für die meisten Inhouse-SEOs sicher sinnvoll ist, sich mit dem Thema PageRank Sculpting zu beschäftigen

Gibt es jetzt aber für das entfallene Link-Nofollow eine Alternative? Ja, teilweise. Und da es nur eine Methode war sind manch Andere aktuell auch nicht betroffen. Um die Frage aber zu beantworten, sollten wir uns die unterschiedlichen Motive und Ziele für das PageRank Sculpting ansehen:

Verhinderung des Rankings von funktionale Seiten

Funktionale Seiten sind in unserem internen Sprachgebrauch all jene Seiten, die eine vorgeschriebene Funktion haben, also schlicht da sein müssen. Diese Funktion kann darin liegen, rechtlichen Vorgaben zu genügen (z.B. Impressum, Kontakt – wobei lokale Anbieter die Ihre Adresse sonst nirgends angeben diese Seiten niemals für Google entwerten sollten) oder aber um technische Funktionen vor Kunde bereitzustellen (Login, Warenkorb).

Links zu ersteren Seiten werden oft fest im Footer oder als kleine Links am Anfang der Seite verortet. Wer auch immer diese Links am Anfang stehen hat, sollte diese unbedingt in den Footer verlegen. Egal was er sonst noch an PR-Sculpting betreiben will.

Der Warenkorb und andere technisch funktionale Links sind meist in rechten Spalten oder dem eigentlichem Contentbereich untergebracht.

Bisher wurden all diese Links entsprechend gängiger Lehrbuchmeinung mit dem Link-Nofollow ausgezeichnet. Nun gibt es aber auch die Möglichkeit, diese Links mithilfe von ausgelagerten Javascript-Funktionen zu erstellen. Dann sind Sie für Google wieder nicht verständlich und erkennbar. Diese schon recht alte Methode sollte also zum selben Resultat wie das bisherige Link-Nofollow führen.

Die Betonung liegt aber aus sollte! Wie gesagt, das Thema PR-Sculpting lohnt sich eher für große Seiten. Wer aber 1 Mio+ Nutzer im Monat hat, für den sind 2% die kein Javascript unterstützen doch eine relevante Größe. Und wer möchte schon den Gang in den Warenkorb mit Hindernissen versehen? Ich zumindest nicht.

Und auch bei den rechtlich relevanten Links sollte man auf solche Tricks verzichten. Warum?  Nun, ich will nicht der Präzedenzfall am LG Hamburg sein der den Richtern erklären soll warum nur für 98% meiner Nutzer den Link zum Impressum funktioniert. Und irgendein Wettbewerber der Lust zum klagen hat findet sich in diesem Land ja immer.

Und jetzt? Ganz einfach. Diese sehr einfache Art des PageRank-Sculpting zielt nur darauf ab, keinen PageRank zu den erwähnten Seiten zu senden. Es geht also nicht darum, bestimmte andere Seiten gezielt zu stärken. Und genau für dieses Problem gibt es ein sehr einfaches Mittel. Die besagten Seiten (Login, Impressum, Warenkorb etc.) werden einfach auf Noindex gesetzt (natürlich im HTML-Head: <meta name=“robots“ content=“noindex, follow“>).

Wichtig ist hierbei, dass der kompletter Eintrag für robots “noindex, follow” lautet.

Jetzt zählen zwar die Links die auf die Seiten zeigen als Vote für eben diese. Da die Seiten aber auf noindex stehen, wird der so versendete PageRank einfach auf die von diesen Seiten verlinkten Seiten durchgereicht. Und da hier meist nur die Hautpnavigation verlinkt ist (die hoffentlich nur die wirklich wichtigen Themen beinhaltet), werden sogar die wirklich wichtigen Seiten somit weiter mit PageRank versehen.

Resultat: PageRank Sculpting funktioniert hier wunderbar ohne Link-Nofollow.
Arbeit: Sichergehen, dass die besagten Seiten wirklich sinntragende Links beinhalten.

Verhinderung des Rankings von Near-Duplicate Contents

WTF ist denn Near-Duplicate Content?

Nun, dass ist eine Problem vieler größerer Seiten. Hierbei handelt es sich um fast identische Seiten. Klassiker sind hier Applikationen die URLs erzeugen (wie Kalender etc.) und vor allem Paginierungen von Rubriken, Kategorien oder Tag-Pages. Hier ist immer die jeweils erste Seite für den Suchenden relevant. Ab der zweiten Seite wird es für den Suchenden relativ schwer ein entsprechendes Interesse überhaupt zu formulieren.

Beispiel: Bei einer Tagpage zu Ölpreis (Sorry, konnte ich mir jetzt nicht verkneifen) sind die relevantesten Infos auf der ersten Seite. Das merkt man auch daran, dass es einem schwer fällt der zweiten Seite des Tag-Archivs einen sinnvollen Titel zu geben.

Wer hier bisher die Paginierung per Link-Nofollow entwertete, hat sich auch bisher nicht den besten gefallen getan. Warum? Nun, ganz einfach. Alle aber der zweiten Seite des Tag-Archivs aufgeführten Artikel wurden des internen PR-Flows beraubt. Sicher nicht die Idee des Erfinders.

Auch hier ist der Einsatz von <meta name=“robots“ content=“noindex, follow“> sinnvoll. Denn diese Seiten sollen den PageRank direkt auf die aufgelisteten Artikel durch leiten.

Auch der Einsatz des Cannonical-Tags ist hier nicht sinnvoll, da wir sonst den PageRank der Paginierungsseiten des Tag-Archivs auf die erste Seite des Tag-Archivs zurückleiten. Die besagten Artikel ab der zweiten Seite erhalten dann wieder keine Linkliebe mehr (wobei es hier auch Fälle geben kann, in denen genau dieses gewünscht ist).

Ähnlich verhält es sich mit den Applikationen. Wenn diese  URLs erzeugen, denen man keinen sinnvollen und einmaligen Titel mit einer ausreichenden Diskriminierungswirkung zuweisen kann, sollte man sie ebenfalls per noindex,follow entwerten.

Siloing

Nun kommen wir zum komplexesten Thema. Beim Siloing geht es darum, die interne Informationsarchitektur so aufzubauen, dass man sich von der Startseite aus kommend immer tiefer in ein Thema begibt und dabei alle themenfremden Navigationselemente entfernt werden. Nina hat dieses auf der SES Hamburg letztes Jahr gut dargestellt (Präsentation im Artikel!).

Das Gegenteil vom Siloing ist beispielsweise eine klassische Left-Hand Navigation in der beim Klick auf einen Navigationspunkt die Subnavigation in die bestehende Navigation (meist eingerückt) integriert wird.

Hier sind dann sehr viele irrelevante Links auf der Seite, die die Navigation erschweren und die (jetzt kommt der SEO) thematisch nicht wirklich relevant sind. Da die Links auch meist im Quellcode am Anfang der Seite stehen, sendet man erst mal sehr viel PageRank direkt themenunrelevant auf andere Seiten anstatt thematisch weiter in die Tiefe.

Und auch hier gilt wieder, für kleine bis mittelgroße Seiten kann dieses sogar gut sein. Bei großen Seitenwird es aber in der Regel eher negative konsequenzen nach sich ziehen. Vor allem wenn ein Nutzer der aus Google auf so einer Seite landet seine eigentliche Navigation (die ja nur die Subnavigation ist) nicht sieht, da sie recht weit unten platziert ist.

Hier ist es so, dass eine gute Informationsarchitektur natürlich das Ziel sein sollte. Leider aber leben wir in einer Welt mit vielen Interessensvertretern und vor allem große Konzerne haben davon einige. Und somit ist vieles was so geschieht schlicht ein Kompromiss. Und hier war bisher das Link-Nofollow wenigstens ein erster Schritt um zumindest vor Google das Problem der ungezielten, teilweise politisch motivierten, Verlinkung zu beheben. Es reicht ja, wenn der Nutzer verwirrt wird.

Hier gibt es leider keinen Workaround. Javascriptlinks sind, wie schon beschrieben, nicht wirklich robust. Sprich, die Links funktionieren nicht für alle Kunden. Und ein noindex fällt leider auch aus, da die Zielseiten ja nicht per se Google vorenthalten werden sollen. Sie sind nur in dem speziellen Context der linkgebenden Seite kein relevantes Ziel.

Fazit – Link-Nofollow ist tot, PageRank Sculpting lebt!

Für alle Fälle in denen es beim PageRank Sculpting darum geht, dass bestimmte Seiten nicht in Google ranken sollen, setzt man jetzt auf noindex. Es ist auch robuster, da ich nicht ständig prüfen muss, ob auch alle Links mit einem Link-Nofollow versehen sind.

Bei allen Fällen bei denen es um den kontextuellen Einsatz von Link-Nofollow geht, sind wir leider eines guten Werkzeugs beraubt worden. Und wir SEOs sind wieder mal etwas weniger kompromissfähig, was uns sicher noch beliebter in internen Diskussionen macht.

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geschrieben von: Jens

Jens

Ich bin geschäftsführender Gesellschafter der get traction GmbH. Wir unterstützen unsere Kunden bei dem Aufbau eigener SEO-Kompetenz sowie der Schaffung von Strukturen und Methoden zur Verankerung von SEO in der Unternehmensorganisation.
Sie haben Fragen zu mir oder dem Artikel? Schreiben Sie mich an: jens@fauldrath.net.
Ich stehe ebenfalls gerne für Interviews oder Konferenzbeiträge zur Verfügung.

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